Welche Formen, Bilder, Texte gibt es inner- und außerhalb der Ausstellung, die ein Dazugehören oder ein Nicht-Dazugehören entstehen lassen? / Zeichnung II

Mit der Frage, welche Formen, Bilder oder Texte es inner- und außerhalb der Ausstellung gebe, die ein Dazugehören bzw. ein Nicht-Dazugehören entstehen ließen, setzten wir uns in dem Workshop Begriffen? in der Ausstellung Reconsidering Roma, Aspects of Roma and Sinti Life in Contemporary Art im Kunstquartier Kreuzberg / Studio 1, Berlin 2011 auseinander. Hier die Beispiele, in denen Zeichnung eingesetzt wird, um Bilder oder Formen des {Nicht-} Dazugehörens zu (v)ermitteln.

Tasslima mit Zeichnungen aus der Ausstellung, die – wie ihr Schreiben – die Blicke des Raums selbst aufgreifen. In der Architektur des Studio 1, einem ehemaligen Krankenhaus des 19. Jahrhunderts (1), spürt Tasslima zahlreiche Situationen nach, in denen das Gebäude uns zu bewachen scheint: Fenster, als Augen von oben herab auf uns blickend; Ornamente, uns anschauend. Die Diskussion um Michel Foucaults Werk Überwachen und Strafen, 1975 klingt an (z.B. Der Panoptismus, ebenda: S. 251 ff., Abbildung 12,  B. Poyet, Plan für einen Spitalbau, 1786 / Panoptic Modernity, Nicholas Mirzoeff in: An Introduction to Visual Culture, 2009,  S. 94 ff.). Demgegenüber setzt sie die Ausdrucksweisen von Augen aus den ausgestellten Arbeiten, z.B. der Protagonisten von Duldung Deluxe, 2010 von Nihad Nino Pušija.

(1) Das Diakonissen-Krankenhaus wurde von Theodor Stein nach Plänen des Architekten Ludwig Persius als schlichter Bau im Rundbogenstil entworfen und in den Jahren 1845 bis 1847 auf dem Köpenicker Feld in Berlin errichtet; für die markante Portalsituation ließen sich Persius und Stein möglicherweise vom Herzogspalast im italienischen Urbino inspirieren. In den Jahrzehnten nach der Eröffnung wurde das Bethanien zu einem Krankenhauskomplex mit vielen Nebengebäuden in einer parkartigen Grünanlage nach Plänen des Gartenarchitekten Peter Joseph Lenné erweitert.



team 1. Januar 2012